OK, ok, ich weiß, dass ich lange nichts habe von mir hören
lassen. In meinem Kopf ging es ziemlich rund und das tut es auch
noch, aber ich versuche es mal in Worte zu fassen... Zum Anfang erst
einmal: meinen Rückflug habe ich auf Februar verschoben. Anfang
Dezember hat mich der Gedanke daran, nur noch zwei Wochen auf der
Insel zu sein in Panik versetzt. Es gab und gibt noch so viel, was
ich noch machen und sehen will, bevor ich mich aus der Karibik
verabschiede.Und nach Abschied sieht es aus. Aus den Bewerbungen bei
den Hotels hat sich nichts ergeben, sämtliche “Vielleicht habe ich
da was für dich” sind im Wind verpufft und von der Bar die mich am
meisten reizen würde höre ich auch nichts mehr. Ein Angebot habe
ich noch, da kann ich im Januar mal reinschauen ob ich mir das
vorstellen kann.
Insgesamt ist meine Euphorie arg abgekühlt und ich bin am überlegen, ob Training, Sonne, Dschungel und Strand genug sind um hier zu bleiben. Momentan bin ich mit der Gesamtsituation eher unzufrieden.
Absagen bei der Jobsuche bin ich ja schon
gewöhnt, aber was mich am meisten nervt ist die Tatsache, das man
sich hier auf nichts verlassen kann. Auch im Bekanntenkreis nicht.
Zusagen oder Verabredungen sind selten ernst gemeint und wenn
kurzfristig (oder auch gar nicht) abgesagt wird, soll man das
gelassen hinnehmen.
Die männliche Bevölkerung ist nur an Sex
interessiert und der weibliche Teil ist zickig und unnahbar, habe mir
sagen lassen aus Eifersucht. Heißt also Freundschaften mit Frauen
sind theoretisch nur mit anderen Zuwanderinnen möglich und mit
Männern so gut wie gar nicht. Schätze Nathaniel ist die absolute
Ausnahme, aber der ist eben leider auch gerade auf einer anderen
Insel unterwegs. Ich komme ja alleine zurecht, aber so ganz ohne
Freunde vor Ort macht selbst das Paradies keinen Spaß.
Viele werden jetzt sagen, dass mir das ja letztes Jahr schon hätte
auffallen können, aber da waren die Umstände anders und ich bin mit
diesen Sachen so nicht in Berührung gekommen. Klar, die Herren aus
der Kirche waren auch nicht zuverlässig, aber da gab es immer noch
Auswege. Und ich war viel mit Leuten aus der Gemeinde unterwegs, die
aber eher eine Generation älter sind als ich, mit denen habe ich
mich gut verstanden und die Frauen sind in dem Alter auch total
entspannt.. Und mit der Unzuverlässigkeit hatte ich sonst wenig
Berührungspunkte.
Zum krönenden Abschluß hat mich gestern
auch noch mein “Inselvater”, der wohlgemerkt im gleichen Haus
wohnt, einfach vergessen mit auf die Weihnachtsfeier der Kirche zu
nehmen, obwohl ihn zwei Leute daran erinnert haben. Nicht dass ich
extra nach dem Hash nach Hause gedüst bin um mich in Schale zu
werfen. Hatte sogar ein Kleidchen an (bei den meisten von euch sollte
jetzt die Kinnlade runter klappen...). Tja, in dem saß ich dann hier
ein paar Stunden und habe gewartet, dass es endlich los geht. Hat
aber auch keiner die Notwendigkeit gesehen, mich mal anzurufen, als
er ohne mich aufgekreuzt ist. Wieso auch. Auf die Feier hatte ich
mich wirklich gefreut, letztes Jahr war es wirklich schön, man hatte
mal Zeit mit jedem ein wenig zu quatschen, die Stimmung war nett,
jeder entspannt. Wäre sehr gerne dort gewesen und ja, ich wollte
auch endlich mal eines der Kleider ausführen! Hatte noch überlegt
alleine auszugehen, habe den Gedanken aber schnell verworfen, da dass
mit der Stimmung in der ich war nicht gut geendet hätte... Schätze
das sollte ich als eindeutiges Zeichen ansehen...
Ich hatte
zwischenzeitlich einen kleinen Job in einer Bar, aber da habe ich
nach ein paar Wochen wieder aufgehört, wegen all dem internen Drama
und den ausgemachten Ziegen von Kolleginnen. Mal davon abgesehen,
dass das Gehalt lächerlich war, es war wenigstens etwas. Naja, dafür
habe ich Freitag meine erste eigene Tour als Tourguide geführt und
es haben sogar alle überlebt :)